Siedlung und Verein Kordon entstehen

Kordonsche Schrebergärten 1934/35

Die Anfänge unserer Siedlung und die Gründungsjahre des Vereines Kordonsiedlung

1934

Gründungs-Generalversammlung des Vereins “Kordonsiedlung“, ein Vorstand wird gewählt. Obmann: Prof. Dr. Josef Nedopil, Sitz des Vereins: Wien XII, Hüttelbergstr 90 (Gasthaus Kordon), Büro: Wien VII, Lindengasse 42 (Wohnung des gewählten Schriftführers Franz R. Gfrorner, Chefredakteur), Einschreibgebühr: 50 Groschen, Monatsbeitrag: 50 Groschen, Arbeitslose: 10 Groschen

Die Ausschusssitzungen finden regelmäßig im Gasthaus Kordon, sonntags 17 Uhr statt.

21. Juli: Beschluss des Vorstands zum Beitritt zum “Hauptverband der vaterländischen Siedlungen“ - Anmeldung zur “Vaterländischen Front“

15. September: Beitritt zum Hauptverband – und damit gleich eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags auf 70 Groschen pro Monat. Aufforderung des Vereins an die Siedler, „sich strenge an Bauvorschriften und Verordnungen des Wald- und Wiesenschutzgesetzes zu halten und auf Milderungen dieser Vorschriften durch Einsatz der Vereinsleitung zu hoffen“ (!).

Laufend Rekurse gegen Strafverfügungen der Magistratsdirektion, Geldstrafen wurden manchmal per Ersatzstrafe „abgesessen“. Vermessung der Grundstücke durch Ing. Reschl und Verkauf durch Sensal Weiss ohne Genehmigung der Behörde.

24. November: Der Antrag zur Aufnahme in die “Vaterländische Front“ wird angenommen. Ab November erfolgen vereinzelt grundbücherliche Eintragungen ideeller Anteile einzelner Siedler.

Dezember: Dem Büro des Vereines wird ein Telefonzuschuss von 10,00 Schilling gewährt - ein Jahr später gibt es schon massive Differenzen im Vereinsvorstand über die Rechtmäßigkeit der Verwendung.

Zwei Frauen beim Roden

1935

Jänner: Erhöhung des monatlichen Mitgliedsbeitrages auf 75 Groschen, Arbeitslose: 30 Groschen. Aufnahmesperre für solche Siedler, „ die trotz wiederholter Aufforderung dem Verband nicht beigetreten sind, obwohl sie bereits seit über einem Jahr am Kordon siedeln und hierorts alle Vorteile der Vereinstätigkeit trotzdem genießen“.

5. Mai: Nach lebhafter Debatte über „das flaue Arbeiten der Vereinsleitung“ wird ein Antrag über die Entschädigung von arbeitslosen Vorstandsmitgliedern mit 1 Schilling 50 Groschen pro Sitzung einstimmig angenommen. Ab nun trägt die Stampiglie des Vereins Kordonsiedlung nur mehr die Adresse: Wien XIII, Hüttelbergstraße 90 als Sitz. Die Ausfertigung der Vereinsprotokolle erfolgt ab diesem Datum bis zum 27.04.1936 nur mehr handschriftlich. (Vermutlich gibt es keine Schreibmaschine eines Chefredakteurs mehr?)

Laufende Differenzen und rechtliche Auffassungsunterschiede über die Zulässigkeit von Rodungen und Bauführungen zwischen der Gemeinde Wien und Grundeigentümern, die Abtragung aufgestellter Hütten wird verlangt. 30 Siedler bezahlen Strafen wegen unerlaubter Bebauung.

November: Die Aufnahme von 6 Parzellenbesitzern wird vom Verein verweigert, da dieser für die Steilhänge keine Garantie übernehmen kann.

 

Blick von Wickengasse in Richtung Goldsterngasse 1934

1936

Ab 1. Jänner betragen die Mitgliedsbeiträge 6 Schilling jährlich und der Verbandsbeitrag 4 Schilling jährlich, die Einschreibgebühr 2 Schilling. Die Arbeitslosenbegünstigung wird aufgehoben.

Oktober: Der Verein Kordonsiedlung führt laut Statuten und Beschluss der Generalversammlung seine eigene Wirtschaftsstelle ein: Bestellungen bei Engrossisten durch den Vorstand, Verteilung der Materialien an die Mitglieder durch vom Vorstand bestimmte Personen. Lagerplätze: Wirtschaftsgebäude der Restauration Kordon und die vom Verein käuflich erworbene Buschenschank an der Schnepfenwiese.

November: Der Verein Kordonsiedlung beauftragt Ing. Franz Reschl, den für die Gesamtaufschließung zur Parzellierung nötigen Parzellierungsplan zu erstellen. Die Stadt Wien erwirkt Pfandrecht von 20.000 Schilling auf den gesamten Grundbesitz am Kordon zur Durchsetzung von Ersatzvornahmen zur Wiederaufforstung illegaler Rodungen und von  40.000 Schilling zur Sicherstellung der Abtragung illegal errichteter Hütten. Es droht die Räumung oder Umsiedlung von 127 Parzellen, Abtretung von 142.000 m² Grund durch die Altbesitzer und die Wiederaufforstung. Der Generalsekretär des Zentralverbandes, Hans Kominek vermittelt und verhandelt im Interesse des Vereins mit der Gemeinde Wien: 120.000 m² Grundfläche müssen als „Aufschließungskosten" der Gemeinde Wien geschenkt werden. Die Gemeinde investiert für den Straßen-, Wasser- und Lichtausbau 2 Millionen Schilling. Festsetzung als Bauklasse I mit Beschränkung der Gebäudehöhen und der zu verbauenden Fläche: Das bedeutet eine mindestens 300%ige Erhöhung des Grundwertes, jeder Siedler ist nicht mehr nur Anteilbesitzer einer Einlagezahl im Grundbuch, sondern tatsächlicher grundbücherlicher Eigentümer. Siedler bezahlen einen Pauschalbetrag von 2 Schilling pro m². Arbeitslose werden bei den Arbeiten vorrangig beschäftigt. Die Siedlung Kordon wird auf Antrag in “Hans-Kominek-Siedlung am Kordon“ umbenannt.

1937

Neuvermessung durch Ing. Reschl. Folge: Neuerliche Grundstücksabtretung an die Gemeinde. 597 Parzellen mit ca. 500 bis 1000 m2 Grundfläche entstehen. Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan wird vom Gemeinderat unter Bürgermeister Richard Schmitz genehmigt. Somit ist die rechtliche Grundlage gesichert. Baubeginn der Wasserleitung, von der Hüttelbergstraße in die Balsaminengasse, soweit der Pumpendruck ausreicht.

So sahen diese Häuser später aus
Quelle: Sitzungsprotokolle des Vereins 1934 - 1937

Zurück